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Psalm

EIN SCHÖPFUNGSPSALM – MEIN PSALM
 
Der Herr schuf Licht und Finsternis –
es wurde Abend und Morgen – sein Sonntag.
Der Herr ließ ein Gewölbe entstehen;
so gab es ein Oben, ein Unten – sein Montag.
 
Der Herr machte im Meer das Trockene sichtbar;
da wurde Land, und Meer sammelte sich;
das Land erblühte mit Pflanzen und Bäumen, mit Früchten;
Samen hatten sie in sich, Zukunft – sein Dienstag.
 
Der Herr setzte Zeichen – erst mal am Himmel;
so teilte sich Zeit in Äonen und Jahre, in Tage und Feste – sein Mittwoch.
 
Der Herr belebte den Himmel und die Erde;
er gab Fliegendem und Schwimmendem Leben – sein Donnerstag.
 
Der Herr wollte Leben und Leben in Fülle;
so konnten Tiere erwachsen, den Menschen zum Dienst.
Die Krönung, den Menschen. Gott formte mit Freude,
beschaute sich selbst, damit ihm der Mensch auch gelinge – sein Freitag.
 
Dass alles gut war, meinte der Herr,
und gönnte Ruhe der Schöpfung – sein Sabbat.
 
     Die Jahre vergingen, sie eilten dahin,
     ob Sonntag oder Mittwoch, sie verloren an Sinn.
     Gott sah das alles, besonders sein Liebstes;
     der Mensch machte ihm Sorge; er sann auf Hilfe.
 
Gott wurde Mensch, er sandte den Sohn;
durchbrach erneut die Finsternis, er selbst wurde Licht – ein Sonntag?
 
Er erniedrigte sich selbst, wurde Gestalt eines Knechtes;
kein Oben mehr, kein Unten – ganz Mensch – ein Montag?
 
Der Sohn belebte ganz neu Erde und Mensch;
gab Verzweifelten Hoffnung, Zukunft den Trauernden – ein Dienstag?
 
Jesus setzte auch Zeichen – erst mal den Juden;
so schuf er Feste und Zeiten ganz eigener Art – ein Mittwoch?
 
Er verhieß einen neuen Himmel, eine ganz neue Erde;
das Geschenk war er selber, die Speise im Brot – ein Donnerstag?
 
Der Herr wollte Leben, Leben in Fülle;
sein Sohn musste sterben, den Menschen zum Dienst.
Er liebte die Krönung, den Menschen, zuEnde;
achtete seines Sohnes nicht – der Mensch hatte Leben – ein Freitag?
 
Dass alles gut war, erwies sich erst später.
Die Ruhe des Grabes schob sich dazwischen;
der Sabbat der Juden, ein lähmender Tag –
erneute Begegnung mit dem lebendigen Herrn,
die Botschaft der Freude – am Tag Nummer 8.
Christus, er lebt – der Christen Sonntag.
 
     Die Jahre vergingen, sie eilten dahin
     viel schneller als damals sie verloren an Sinn;
     ein Blick in das Heute zeigt schnell es an,
     weit ist Gott, weg ist Christus – selbst ist der Mann!
 
Die Schöpfung hat sich verändert;
schon wieder der Stress – heute ist Montag!
 
Kein „Land in Sicht“, keine Hoffnung auf Zukunft;
tägliches Einerlei, der Alltag umfängt – heute ist Dienstag:
 
 
Gut, dass wenigstens die Woche geteilt erscheint;
wenigstens ein kleines Zeichen – heute ist Mittwoch!
 
Eher schläfrig als belebt
(hatten nicht damals die Jünger dieselbe Erfahrung?)
Wochenende in Sicht, dunkle Wolken – heute ist Donnerstag!
 
Etwas macht frei,
heute nur halber Tag Dienst – heute ist Freitag!
 
Dass alles gut war, wer wagt das zu sagen?
Bezahlter Stress liegt zurück; Stress nun freiwillig – heute ist Sabbat!
 
Kaum noch Erinnerung an diesen Tag damals;
erst einmal schlafen – heute ist Sonntag!
 
     Doch träumte nicht Gott schon am Anfang der Schöpfung?
     Schufst Du, Gott, nicht Deinen Traum, der ich auch selber bin?
     Du hastdoch Erfahrung von Anfang an.
     Soll ich es versuchen, stehst Du mir bei?
 
So lass ich mich schaffen:
Begegnung mit Dir schafft Licht – mein Sonntag?
 
So lass ich mir Staunen schenken auf dem Wege;
die Schönheit des Himmels, auf dem Wege zur Arbeit – mein Montag?
 
So lässt Du mich atmen in noch grünender Schöpfung;
heute will ich sie besonders beachten – mein Dienstag?
 
So erbitte ich Zeichen, oder soll ich sie schenken?
Dieser Tag wäre gut dafür – mein Mittwoch?
 
Heute erfuhr ich Leben; ein Geschenk!
Dank für diese gute Begegnung – mein Donnerstag?
 
Auch die Trauer von heute
war Teil meines Lebens – mein Freitag?
 
So spreche ich heute, vieles war gut –
am Sabbat der Woche unter Deiner Hut.
 
     Es wird wieder Sonntag,
     nach allen Erfahrungen.
     Es wird wieder Sonntag
     für alle Erfahrungen!
     Der Herr hat geschenkt.
     Der Herr hat genommen.
     Gepriesen sei der Name des Herrn!.
 
 
 
Klaus Warning,
November 1985
Kloster Nütschau